Der blinde Fleck KI: Versteckte Kosten, die Ihre Innovationsstrategie gefährden
In der aktuellen KI-Euphorie fällt mir auf, dass selbst die diszipliniertesten Unternehmen erstaunlich große Schwierigkeiten haben, die hart erarbeiteten Erkenntnisse aus DevOps und DevSecOps auf die Einführung von KI zu übertragen. Diese Unternehmen fühlen sich oft gezwungen, zwischen Tempo und Kontrolle zu wählen.
Das Ergebnis ist eine abwartende Haltung gegenüber KI-Nutzung und -Implementierung – und damit eine neue, gefährlichere Form technischer Schulden.
Ich nenne das die Schulden des blinden Flecks KI.
Sie sind die schwerwiegendste Form von Schulden, weil sie sich im Verborgenen akkumulieren. Wie alle Schulden wachsen auch sie mit erschreckendem Zinseszinseffekt – nur ohne dass eine Bilanz sichtbar wird. Die entscheidende Frage lautet: Schaffen Sie jetzt die Grundlage, um sie zu kontrollieren – oder lassen Sie sie weiter anwachsen, bis eine Beseitigung unmöglich geworden ist?
Die Anatomie eines blinden Flecks: Warum Sie die Schulden nicht sehen
Warum sind diese Schulden so schwer zu erkennen? Weil die „Fabrik” zur Herstellung von KI nicht mehr allein Ihr Data-Science-Team ist. Die Silos sind gefallen, die Exklusivität von KI/ML-Teams als alleinige „Modellbauer” hat sich radikal aufgelöst – und heute ist grundsätzlich jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter ein potenzieller KI-Nutzer.
Früher gab es ein zentrales Team, das ML-Modelle baute. Heute existiert ein fragmentiertes Ökosystem aus Nutzern und Assets, das sich weitgehend außerhalb der Sichtbarkeit von IT- und Sicherheitsteams bewegt. Dieser blinde Fleck entsteht durch drei Kräfte:
- Model Maker – früher als Data-Science-Teams bekannt – schreiben nicht mehr ausschließlich Code in ihrer IDE. Sie agieren als Manager der Software-Lieferkette: Sie beziehen tausende Open-Source-Modelle von öffentlichen Hubs wie Hugging Face, um sie lokal zu fine-tunen. Viele dieser Modelle sind ungeprüft – und eine aktuelle JFrog-Analyse belegt einen massiven Anstieg bösartiger Modelle um das Siebenfache, die gezielt darauf ausgelegt sind, Ihre Umgebung zu kompromittieren.
- Alle Mitarbeitenden nutzen kommerzielle KI-Funktionen über APIs – etwa OpenAI, Gemini oder Anthropic –, um intelligente Features zu bauen und ihre tägliche Produktivität zu steigern und effizienter zu arbeiten. Diese Modelle können jedoch sensible Kunden- oder durch Patente geschützte Daten über persönliche Accounts an öffentlich erreichbare Dienste übermitteln – oft ohne jegliche Sicherheitsvorkehrungen oder Traffic-Überwachung.
- KI-Modelle – ob intern entwickelt, Open Source oder kommerziell – sind längst nicht mehr die einzigen Ressourcen, die Governance und Sicherheit erfordern. Die weit verbreitete Nutzung von MCP-Servern und maßgeschneiderten KI-Agenten stellt möglicherweise den größten blinden Fleck bei der KI-Einführung dar. Die Governance-Komplexität wächst weiter, sobald Admins festlegen müssen, welche Tools ein MCP-Server oder Agent verwenden darf. Die Zeiten, in denen KI für destruktive Vorfälle – Datenlöschung, Datenschutzverletzungen, geleakte Secrets – direkt verantwortlich sein kann, sind bereits Realität.
Das sind die Schulden, die durch den blinden Fleck KI entstehen können. Es handelt sich nicht um einen einzelnen Fehler im Code oder ein isoliertes Sicherheitsrisiko – sondern um eine chaotische, unsichtbare Ausbreitung von benutzerdefinierten Modellen, externen APIs und unkontrollierten Agenten, die sich quer durch Ihr gesamtes Unternehmen ziehen. Was Sie nicht sehen können, können Sie nicht kontrollieren. Und derzeit agieren die meisten Unternehmen blind.
Die kumulativen Kosten des „Abwartens“
Die häufigste Antwort, die ich von Plattform- und Sicherheitsverantwortlichen höre, lautet: „Wir kümmern uns … irgendwann … um KI-Governance und -Verwaltung.” Aber angesichts dieser unsichtbaren Ausbreitung ist „irgendwann” eine Falle.
Laut IBM verfügen 63 % der Unternehmen über keine formellen Richtlinien zur KI-Governance – und wer abwartet, verzögert das Problem nicht nur, sondern verschärft es aktiv.
Jedes ungeprüfte Modell aus dem Internet, jede unüberwachte API-Verbindung und jeder nicht katalogisierte MCP-Server ist ein neuer Faden in einem immer dichter werdenden Netz. Je länger Sie warten, desto schwerer wird es, überhaupt alle Fäden zu finden – geschweige denn, sie zu entwirren.
Die Kosten für die Behebung dieses Chaos werden dabei nicht linear steigen – sie werden exponentiell wachsen:
- Aus Security-Sicht entstehen massive blinde Flecken, die die Organisation neuartigen Angriffsvektoren aussetzen – darunter bösartige Model Injection oder Datenlecks über Drittanbieter-APIs.
- Aus Produktivitätssicht erfinden Ihre KI-Teams das Rad immer wieder neu. Ohne einen definierten Weg in die Produktion verlieren sie Zeit mit manueller Infrastrukturarbeit, anstatt sich auf Innovation zu konzentrieren.
- Aus Compliance-Sicht sind Sie Audits nahezu schutzlos ausgeliefert. Ohne klare Herkunfts- und Lizenzverfolgung riskieren Sie empfindliche Bußgelder und die Nichteinhaltung regulatorischer Anforderungen.
Stoppen Sie das Anhäufen von Schulden, beginnen Sie mit dem Aufbau Ihre Grundlagen
Wie gebieten Sie diesen Schulden also Einhalt? Sie können nicht beheben, was Sie nicht sehen – und AI-Governance lässt sich nicht nachträglich an eine fragmentierte Lieferkette anhängen.
Sie müssen Transparenz und Kontrolle von Grund auf in Ihren Entwicklungslebenszyklus integrieren. Das ist der einzige nachhaltige Weg: Zukunftssicherheit entsteht nicht durch das Antizipieren des nächsten KI-Trends, sondern durch ein einheitliches System, das jedes neue Modell und jede neue API kontrolliert verarbeiten kann.
In dieser neuen Realität basiert das Tilgen der Schulden auf einer Drei-Säulen-Strategie:
- Ein System zur Erfassung aller KI-Assets (Register)
Was man nicht sieht, kann man nicht kontrollieren. Der erste Schritt ist der Wechsel von einer fragmentierten Landschaft zu einem einzigen, einheitlichen KI-Registry.
Dieses Registry muss umfassend sein: Es darf nicht nur Code oder Dateien speichern – es muss sämtliche Asset-Typen katalogisieren, die organisationsweit identifiziert oder entdeckt werden. - Eine automatisierte Policy-Engine (Curate)
Bevor eine KI-Ressource im Registry verfügbar gemacht wird, muss sie geprüft werden. Das ist Ihre Qualitätssicherung für die KI-Lieferkette. Sie benötigen eine automatisierte Richtliniendurchsetzung, die auf Schwachstellen, bösartigen Code und Lizenz-Konformität prüft – und nicht konforme oder sogar gefährliche Workloads programmgesteuert blockiert, bevor sie in Ihr Ökosystem gelangen. Das ist wirkungsvoller als der Versuch, Probleme zu erkennen, wenn sie bereits ausgeführt werden. - Eine zentralisierte Steuerungsebene (Access)
Sobald Sie Ihre Ressourcen sehen und verwalten können, müssen Sie deren Nutzung kontrollieren. Ein universelles KI-Gateway fungiert als einziger, gesicherter Zugangspunkt für die gesamte KI-Nutzung im Unternehmen – für externe APIs ebenso wie für interne Modelle. Es schafft die nötige Transparenz, um Datenlecks zu überwachen, Rate-Limits durchzusetzen und sicherzustellen, dass Mitarbeitende ausschließlich genehmigte, sichere Wege zur KI-Nutzung verwenden.
Diese Strategie bremst Einführung und Innovation nicht aus. Sie kanalisiert sie. Sie gibt Ihren Teams – Administratoren wie Nutzern gleichermaßen – einen sicheren, selbstverwalteten Pfad, um zugelassene KI-Ressourcen an einem einzigen Ort zu finden und zu nutzen: mit voller Transparenz und Kontrolle.
Frog hat diese Lektion bereits gelernt. Wir haben eine DevOps-Pipeline und eine sichere Software-Lieferkette aufgebaut, um das Chaos im Code zu bändigen. Die Prinzipien sind jetzt für KI genau dieselben – die Einsätze jedoch deutlich höher.
Ein vertrauenswürdiges, KI-natives Unternehmen lässt sich nicht auf einer fragmentierten Grundlage betreiben. Das Chaos wächst. Die Schulden des blinden Flecks KI nehmen zu. Der Zeitpunkt, um eine zukunftssichere Grundlage zu schaffen, ist nicht „irgendwann” – er ist jetzt.
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